Das innere Schlachtfeld befrieden

Diesen Tagebucheintrag habe ich am 13. August 1983 geschrieben, ich war 13 Jahre alt. Wir befanden uns mitten im Kalten Krieg, „die Atombombe“ schwebte als latente Bedrohung über uns allen.

Seite in einem Notizbuch, Handschrift

Heute, fast 40 Jahre später, spricht mein bald 13-jähriges Kind mit mir über seine Sorge, ob es auch für uns in Deutschland einen Krieg geben wird. Das zeigt mir im Privaten, dass die Wunde auch lange nach dem Ende des Kalten Krieges nicht verheilt ist. Es gibt noch entzündliche Prozesse.

Politische Einordnungen kann und will ich an dieser Stelle nicht vornehmen. Ich schreibe diesen Text als Frau, die seit ihrer frühesten Kindheit schier verzweifelte an Gewalt, Krieg und dem Unfrieden, der in dieser Welt herrscht(e). Ich fraß alles in mich hinein – zum Glück hatte ich mein Tagebuch, in dem ich meine Gedanken fließen lassen und meine Emotionen beschreiben konnte. Ich konnte sie fließen lassen und beschreiben, aber wirklich wandeln oder heilen konnte ich meine Gefühle nicht. Ich war hilflos und ohnmächtig.

„Ich war hilflos und ohnmächtig“

Mein Leben war ein einziger innerer Kampf. Meine Gedanken waren die Armee, die regelmäßig ein Schlachtfeld aus meinem Geist machte. Wenn ich im Außen einen Konflikt hatte, führte ich diesen in meinem Kopf aus. Worte des Schmerzes, des Hasses, des Vorwurfs, des Grolls, der Anklage rasten wie Apokalyptische Reiter durch mich durch. Warfen (in meinen Gedanken und Emotionen) Bomben auf mein Gegenüber, attackierten es, vernichteten es – nur, um im nächsten Moment weiterzukämpfen. Denn mein Gegenüber war ja nicht wirklich vernichtet.

So führte ich über Jahrzehnte einen innerlichen Krieg. Vermeintlich gegen alle oder alles, doch in Wahrheit gegen mich selbst. Ich wünschte mir so sehr Frieden in der Welt und war gleichzeitig ein inneres Kriegsgebiet.

Heute verstehe ich, dass wir keinen wahren, tragfähigen Frieden im Außen haben können, wenn in unserem Inneren Krieg und Unfrieden herrschen. Und so engagiere ich mich seit mehreren Jahren für den Frieden, indem ich mich um mein inneres Schlachtfeld kümmere. So, wie es auf der politischen Bühne Techniken der Diplomatie oder Friedensverhandlungen gibt, so nutze ich auch für mich selbst Techniken, um innerlich in den Frieden zu kommen:

Beispielsweise arbeite ich an meinem Mindset, um zersetzenden Gedanken und Emotionen nicht das Feld zu überlassen. Ich praktiziere Ho’oponopono, um Konflikte, die sich in meinem Leben zeigen, innerlich zu bereinigen. Ich spreche und denke Affirmationen, um mich auf das zu fokussieren, was mich von innen heraus nährt. Ich meditiere, um zur Ruhe zu kommen und meine Gedankenströme zu leiten. Das alles hilft mir, im Alltag im Frieden zu sein.

Ich bin nicht mehr ohnmächtig und hilflos. Zwar kann ich weiterhin kein Land daran hindern, ein anderes Land anzugreifen. Ich kann auch nicht verhindern, dass sich Menschen in den sozialen Netzwerken beschimpfen, bekriegen und bekämpfen. Aber ich kann da, wo ich bin, die Energie des Friedens in die Welt bringen. Indem ich friedfertig denke, spreche und handle.

„Ich kann da, wo ich bin, die Energie des Friedens in die Welt bringen“

Und ja, wenn jemand mein Kind angreifen würde, würde ich es verteidigen. Friedfertigkeit bedeutet nämlich nicht, Opfer zu sein. Bedeutet nicht, dümmlich grinsend alle machen zu lassen, wie sie wollen. Es bedeutet, zu handeln aus einer inneren Souveränität heraus. Aus einem inneren Frieden heraus.

Dann sieht meine Aktion ganz anders aus, als wenn ich aus einem inneren Unfrieden heraus handle. Wenn ich in meiner Mitte bin, kann ich das Notwendige tun. Und sobald die Not gewendet ist, lasse ich das Negative los. Ich identifiziere ich mich nicht damit. Ich lasse die Apokalyptischen Reiter nicht in Endlosschleife durch meinen Geist ziehen. Ich wende mich friedfertig dem zu, was mich, mein Gegenüber und meine Umwelt nährt und stärkt. Ich lasse es nicht zu, dass ich mit Gedanken, Worten und Taten des Hasses und der Angst meine (Um-)Welt präge.

Deshalb, Ihr Lieben: Neben dem, was man im Außen tun kann, um auf Krieg und Unfrieden zu reagieren – vergesst nicht, dass ihr vor allem von innen heraus die Welt verändert. Eine mögliche Frage ist: „Was würde die Friedfertigkeit jetzt denken, sagen, tun?“

Stellt euch vor, jeder einzelne Mensch auf der Welt wäre ausgeglichen und in seiner Mitte. Gäbe es dann noch Krieg? Da ich nicht alle Menschen bin, fange ich bei mir an.

Wenn du Frieden willst – sei friedfertig und setze damit in jeder Sekunde einen Samen des Friedens. Unsere Welt verändert sich von innen heraus.

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